Matze und Felix gehen ins Auto(teile)viertel um unseren 518er mitneuen Teilen wieder aufzupaeppeln, Kiron und Martin checken derweil die diversen Fluessigkeitsstaende und kuemmern sich aufopferunfgsvoll um unsere mitgereisten Baeume. Ploetzlich kommen Matze und Felix samt Mechaniker und Uebersetzer wieder zum Parkplatz. Schnell ist klar, dass wir ein paar Kuehlerschlaeuche, einen Verteilerfinger und Zuendkerzen fuer den 518er brauchen. Nach einem kurzen Abstecher ins Teileviertel und einigen Tees kommen die beiden zurueck und machen sich gleich ans Werk. Matze grinst dabei von einem Ohr zum anderen als er mit leuchtenden Augen von einem Laden erzaehlt, der nur Schlaeuche im Angebot hat. Ruckzuck laeuuft die Kiste wieder.

Unser persönlicher Parkplatzschrauber Hikmet. Nur zu empfehlen!
Nach einem Plausch mit den oertlichen Motorradpolizisten duesen Kiron und Martin mit dem 518er Richtung Blaue Moschee, um die schnellste Anfahrt fuer den naechsten Tag auszuknobeln. Als deutscher Autofahrer kommt man sich wie ein hilfloses Lamm vor, welches den Woelfen, den Istanbuler Autotofahrern, zum Frass vorgeworfen wird. Doch dem Charme des geschaeftigen Treibens in den kleinen Gassen Istanbuls kann sich niemand entziehen. Nachdem alle wieder zurueck am Hotel sind, machen wir uns zu Fuss auf in die Stadt. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und muss gleichzeitig hoellisch aufpassen, nicht unter die Raeder zu kommen. Nach einem Becher frisch gepressten Mandarinensaft beschliessen wir, uns beim tuerkischen Barbier rasieren zu lassen. Diese Zeremonie sollte sich niemand entgehen lassen. Die beiden Barbiere haben dabei genauso viel Spass bei der Sache wie wir.

So können wir uns wieder sehen lassen!
Danach gehen wir noch etwas essen und (Bier)Vorraete auffuellen um diese im Hotel gleich wieder zu vernichten.
KM-Leistung am 5.Tag 0 km.
07.05.2008 (6. Tag)
Um 7 Uhr heisst es wieder raus aus den Federn, fruehstuecken und auschecken. Wir marschieren mit unserem Gepaeck zu unserem Parkplatz am Hafen um uns rechtzeitig zum LeMans-Start am Pier aufzustellen. Doch in der Istanbuler Rushhour erweist sich das als nahezu unmoeglich. Als wir schon nicht mehr daran glauben, raeumt ein Polizist eine Absperrung auf die Seite und winkt uns ueber die Schnellstrasse durch. Doch der Start ist puenktlich ein paar Minuten zu spaet. Als das Startsignal gegeben wird, rennen wir um unser Leben. Es nach 500m draengt sich allen die Frage auf, ob es clever war 1km weit weg zu parken(nahe Pole Position). Doch die Rechnung geht auf. Wir sind als erstes Team vom Pier gekommen muessen aber feststellen, dass nicht alle Teams in Topform sind und diesen Lauf auslassen. Nach einer Boxkampf-aehnlichen Fahrt erreichen wir die Blaue Moschee, schiessen ein Foto von uns, den Autos, der Moschee und dem Parkplatzwaechter. Auf geht's Richtung Faehre. Dort muessen wir feststellen, dass 3 Teams vor uns angekommen sind, aber das truebt die Freude ueber den gewonnenen Start kein bisschen.

Vor der Blauen Moschee, mit Parkwächter!
Wir verlassen nun das europaeische Festland und begeben uns nach Asien.Wir fahren gen Osten, Ankara, und biegen nach ca. 150 km Richtung Sueden ab. Auf geht's nach Antalya. Doch die Reparatur des 518er war leider nicht so erfolgreich wie gedacht. Der neue Verteilerfinger hat schon wieder einen Riss. Wir halten mehrmals an und fragen uns in den Hinterhofwerkstaetten nach einem neuen Verteilerfinger und einer neuen Verteilerkappe durch, doch immer wieder ohne Erfolg. Es gibt nirgends ungebrauchte Ersatzteile. Wenigstens verliert der 518er kein Kuehlwasser mehr und wir fahren einfach weiter in der Hoffnung, in Antalya die Teile zu bekommen.

Hero of the Day! Das hat ne Runde gekostet!
Unterwegs machen wir noch Halt an einem Rasthof, um eine "Kleinigkeit" zu essen. Nach Vorspeise, Salat, dreierlei Fleischgerichten und tuerkischem Kaffee will eigentlich keiner mehr weiterfahren. Wir bezahlen umgerechnet 7,50 EURO pro Person. Unglaublich, wie billig es hier ist. Nachdem es anfaengt zu regnen, werden die schmierigen Passstrassen zu einer Herausforderung fuer die Fahrer. Doch die LKW-Fahrer stoert das nicht im geringsten. Sobald man unter 90 kmh faehrt, wird man gnadenlos von den Brummis ueberholt. Um 8 Uhr machen wir noch eine kurze Pause in Afyon und stellen fest, dass es bis Antalya immer noch 280 km sind. Wir liegen also gut in der Zeit fuer unsere Verhaeltnisse. Als wir um Mitternacht in Antalya ankommen, versuchen wir noch die Tagesaufgabe unter Dach und Fach zu bringen. Wir muessen ein Foto von deutschen Touris machen, entweder 20 mit Badesachen, 10 mit Socken und Sandalen oder 5 Maedels oben ohne. Wir entscheiden uns angesichts der Uhrzeit fuer die 5 Maedels. Doch als wir nach 1,5h noch nicht mal die Fussgaendgerzone, bzw. Partymeile gefunden haben, geben wir auf. Wir schlagen unser Nachtlager zwischen Strand und Flughafen in der Wildnis auf. Waehrend wirum halb 3 im Mondenschein noch unser wohlverdientes Feierabendbier trinken, schweben die tollkuehnen Maenner in ihren fliegenden Kisten ueber uns hinweg.
KM-Leistung am 6.Tag 666 km.
08.05.2008 (7. Tag)
Nach kurzem Schlaf heisst es um 7 Uhr wieder aufstehen.

Bierdosenmasaker am nächsten Morgen...

Unser idyllischer Übernachtungsplatz in der Einflugschneise bei Antalya.
Wir fahren Richtung Innenstadt, um Teile zu besorgen und das Foto mit den 20 Toristen zu machen. Die Spezies des "homo germanicus turisticus" zeigt sich jedoch als scheu und nicht sehr zahlreich um diese Jahreszeit. Nachdem wir auf einem Parkplatz den Deutschtuerken Vehbi treffen, wandelt sich das Blatt. Wir gehen erstmal gemuetlich fruehstuecken, waehrend er sich nach den Autoteilen erkundigt. Danach faehrt er mit uns in die Innenstadt. Matze und Markus fahren mit ihm zum Autozubehoerladen, waehrend der Rest von uns sich um das Foto kuemmert. Wir laufen los und machen uns auf die Suche nach den deutschen Pauschaltouristen. Auf dem Platz vorm Rathaus werden wir fuendig, doch leider ist es eine franzoesische Reisegruppe. Wir holen unseren 525 und parken auf dem Platz direkt vor einem Informationsstand der oertlichen Verkehrswacht. Aber es kommen nur noch vereinzelt Touristen, die auf keinen Fall fotografiert werden wollen. Wiedereinmal kommt uns der Zufall zu Hilfe. Ein Polizist macht uns darauf aufmerksam, dass die Besuchergruppe im Rathaus "allaman" sind. Auf unsere Nachfrage hin stellt sich heraus, dass es Verwaltungsrichter aus Bayern auf Staatsbesuch sind. Schnell ist das Foto im Kasten und wir treffen auch schon auf unsere Autoteileeinkaeufer. Mit Hilfe von Vehbi haben sie Teile bekommen. Er hilft uns noch mit dem Rezept und dann geht es los.

Markus, unser freundlicher BMW-Teilehändler, und Vehbi.
12 Uhr und noch kein einziger Kilometer Richtung syrische Grenze gefahren. Ein fast perfekter Tagesstart. Wir fahren Richtung Alanya an der Kueste entlang. Eine Betonburg nach der anderen, ein Alptraum fuer uns. Wir fahren bis halb 4 an der Kuste entlang , als an einer Bucht wir ein Restaurant mit Badestrand fernab von Tourismus finden. Wir halten sofort an und bestellen etwas zum essen. Da das Essen noch auf sich warten laesst, gehen wir an den Strand und stuerzen uns in die Fluten. Die Rallye ist in diesem Moment ganz weit weg. Nach dem Bad gehen wir zu Tisch in unsere "Lounge", waehrend ein Team nach dem anderen an uns vorbeizieht. Wir koennen die neidischen Blicke spueren.

Geniales türkisches Mittags- Mahl, irgendwo an der Küstenstrasse.
Danach geht es weiter Richtung Tarsus, wo unsere Tagesaufgabe ist. Wir fahren 100 km an der Kueste entlang ueber schmale Passtrassen und werden dabei bergab von den Brummis abgehaengt. Doch wir nehmen uns noch die Zeit fuer ein Fooshooting mit dem Meer im Hintergrund. Wir haben ja genug Zeit. Ausserdem ist unsere Spaetschicht immer effektiver als die Fruehschicht.

Bei so einer Traum- Straße muss die Zeit für ein Erinnerungsfoto drinn sein.
In Tarsus angekommen beschliessen wir, dort irgendwo zu uebernachten und am naechsten Tag die Aufgabe zu erledigen. Als wir ausserhalb der Stadt auf einen Feldweg abbiegen, stellen wir erstaunt fest, dass dort schon ein anderes Team der Rallye uebernachtet. Zufaelle gibt's. Wir stellen uns dazu und uebernachten wieder im Freien auf der Plane. Nach der ueblichen Bierkur und einem kleinen Nachtmahl betten wir uns zur Ruhe.
KM-Leistung am 7.Tag 550 km
09.05.2008 (8. Tag)
Um 6 Uhr schaelen wir uns aus den Schlafsaecken. Wieder alles zusammenpacken und ab in die Innenstadt von Tarsus.

Unser Übernachtungsplatz bei Tarsus, den wir uns mit dem DESERT DELUXE- Team geteilt haben. Kalt wars!!
Dort muessen wir ein Foto vor Kirche des Apostels Paulus machen. Wir treffen wieder auf hilfsbereite Menschen. Einer bietet sich an, mit uns dorthin zu fahren. Er steigt ein und wir fahren wieder in Richtung unseres Nachtlagers. Tatsaechlich fahren wir daran vorbei und einen Kilometer dahinter kommen wir an einer Moschee an. Wir machen das Foto und schauen uns alles an. Es stellt sich heraus, dass sich hier eine Gebetshoehle befindet. Niete. Danach werden wir auch noch zum Cay, Tee, eingeladen. Unser Reisefuehrer arbeitet zufaelligerweise im Hotel nebenan und moechte nicht mehr mit zurueckfahren. Wir waren eine gute Mitfahrgelegenheit. Beim Tee treffen wir ein Tuerken, der in Bochum lebt und uns weiterhilft. Wir fahren wieder zurueck in die Stadt und finden nach einigem Hin und Her den Paulus-Brunnen. Wir beschliessen, dass wir hier das Foto machen, es ist schon wieder 9 Uhr und wir sind immer noch in Tarsus. Doch Zeit fuer ein Fruehstueck ist natuerlich noch. Gestaerkt fahren wir weiter vorbei an Adana, Ceyhan, Osmanyie und Iskenderun. Heute ist die Fruehschicht zur Abwechslung auch gut drauf. Unterwegs kommen wir an einem "Schulbus" mit unseren fanatischsten Fans vorbei.

Fans begleiten uns on the road!
Weiter Richtung Antakya(Antiochia) und dann zur syrischen Grenze. Wir machen 10km vorher noch eine Mittagspause in Reyhanli. Am einzigen Doener der Stadt halten wir an. Dort sind wir die Attraktion. Zuerst kommen die neugierigen Kinder, danach die Ladenbesitzer um unsere Boliden zu bewundern. Wir erklaeren wieder mal mit Haenden und Fuessen, warum wir hier sind. Wir werden herzlichst begruesst, kein Vergleich zu Deutschland. Der Begruessung folgt ein reichliches Menue.

Der letzte und beste türkische Kebab vor der syrischen Grenze, in Reyhanli.
Nach schnellen 1,5h brechen wir um halb 4 auf zur syrischen Grenze. Wir wetten, wie lange es dauern wird. Die Gebote liegen zwischen 2 und 3,5h. Schon 2km vor der Grenze beginnt die Schlange der LKW's. Die Ausreise aus der Tuerkei geht problemlos von statten und wir fahren nach 30 min ins Niemandsland zwischen den Grenzen. Dort ist es unbeschreiblich. Die Laster in Richtung Tuerkei stehen in 2er-Reihen, es stinkt ueberall nach Diesel, am Strassenrand stehen ausgeschlachtete Autowracks, immer wieder wird der Muell verbrannt,… Bis zur syrischen Grenze sind es ca. 3km, die Trucker brauchen bestimmt 2-3 Tage fuer die Einreise in die Tuerkei. Wir kommen am Gebaeude des syrischen Zolls an. Dort lassen wir uns von einem anderen Team erstmal den Ablauf erklaeren. Die Ausreise der Personen laeuft unproblematisch ab, die Papiere sind in Englisch, die Beamten freundlich. Dach dann muessen die Autos noch ausfuehren. Man muss an der Grenze eine Autoversicherung fuer Syrien abschliessen. Die Formulare sind allerdings in Arabisch und muessen in Arabisch ausgefuellt werden. Hier kommen die Schleuser ins Spiel. Wir finden einen Schleuser, der deutsch kann und laufen im hinterher. Zuerst muss man die Formulare kaufen, dann ausfuellen, Stempel vom Zoellner draussen holen, wieder zurueck, naechstes Formular, naechster Stempel, Versicherung bezahlen, etc. Da mittlerweile immer mehr Teams ankommen, ist unser Schleuser sehr beschaeftigt und wir warten immer wieder. Nach 3,5 h ist das ganze Procedere endlich durch. Ohne Gepaeckkontrolle reisen wir nach Syrien ein. Wir wollen alle Luftspruenge machen.
Doch unser Tagesziel Damaskus ist noch weit entfernt. Wir fahren weiter Richtung Idlib um dort zu tanken. Der Liter Benzin kostet in Syrien umgerechnet 70 Cent, im Gegensatz zu 1,70 Euro in der Tuerkei. Die meisten Tankstellen haben schon zu oder nur noch Diesel. Wir finden aber noch eine Tankstelle. Doch wir koennen an der staatlichen Tankstelle weder mit unseren Euros noch mit Dollars bezahlen. Matze faehrt mit einem Taxifahrer in die Stadt zum Geldautomat. In der Zwischenzeit treffen wir an der Tanke einen Franzoesischlehrer, Jamal Osman. Matze kommt erst spaet wieder zurueck. Der Automat hatte kein Geld mehr und sie sind zum oertlichen Juwelier gefahren, der unsere Euros in syrisches Geld getauscht hat. Jamal hilft uns noch mit dem Tankwart, der ein grosser Fan von Hitler ist. Von Jamal bekommen wir auch noch ein typisch syrisches Rezept. Doch die Aktion hat uns fast 2h gekostet. Wir fahren noch weiter Richtung Latakkia, dann nach Sueden und wollen irgendwo am Strassenrand campen. Doch die syrischen Autofahrer sind die Hoelle. Kurz vor einem machen sie das Fernlicht an und man ist fast blind. Ausserdem laufen die Leute auf der Strasse, wir koennen die Schilder fast nicht lesen und die Markierungsstreifen der Strasse gehen geradeaus, obwohl die Strasse nach rechts oder links abknickt. Nicht zu vergessen die unbeleuchteten Baustellen und die Teerschwellen, die unerwartet auftauchen. Wir geben irgendwann voellig uebermuedet auf und campen in einem Olivenhain. Wir trinken noch einen Schlummertrunk und essen die Riesenbohnen, die Matze dabei hat.
KM-Leistung am 8.Tag 450 km
10.05.2008 (9. Tag)
Wir werden um 7 Uhr morgens geweckt. Eine Herde Ziegen wird durch unser Nachtlager getrieben. Zum Frühstück gibt’s den restlichen Bohneneintopf, dazu Kaffee und Tee. Als wir gerade gen Damaskus aufbrechen wollen, kommen ein paar freundliche Syrer mit ihrem Mercedes-Lastwagen vorbei und bieten uns „Halib“ an. Es stellt sich als Ziegenmilch heraus, die wir gerne trinken.
Syrischer Milchmann mit seinem Benz.
Nun aber los. Mitten durch die syrische Provinz kommen wir an zahllosen Dörfern vorbei. Zwischendurch treffen wir noch den Slowaken Alex, der mal eben mit seinem Fahrrad zu den Olympischen Spielen nach Peking unterwegs ist.
Auf dem Weg nach Damaskus: Syrischer Hirte.
Unser erstes Wüsten- Foto!
Gegen Mittag kommen wir in der Hauptstadt Damaskus an. Haben uns durch den Verkehr gequält und ein günstiges Hotel aufgesucht. Das Hotel „Al Khiam“ gibt uns ein Vierbettzimmer, das wir für 3300 Syrische Pfund (42 Euro) beziehen können. Wir laden unsere Sachen ab und machen uns sogleich wieder auf den Weg Richtung Markt, Gewürze kaufen. Wir eiern kreuz und quer durch die Altstadt. Eigentlich ist hier alles ein großer Basar. Hier gibt’s alles was man braucht oder nicht braucht. Alles! Endlich finden wir einen Gewürzhändler, dem wir unsere (in arabisch) ausgedruckten Zettel unter die Nase halten können. Wir bekommen Curry, Koriander und Pfeffer. Da wir das Wort „Gramm“ auf Arabisch ausgedruckt haben, bekommen wir natürlich auch dieses „Gewürz“. Was es ist werden wir daheim herausfinden. Weiter geht’s zur Weinsuche. Wir tingeln weiter und fragen uns durch. Ohne Erfolg. Kein Wunder. Zwei Touristinnen erklären uns dass man Wein doch besser im Christenviertel kauft, da solcherlei alkoholische Getränke im muslimischen Teil der Stadt nicht zu bekommen sind. Wir teilen uns auf. Felix und Martin Richtung Internetcafe zum Roadbook schreiben, Kiron und Matze zum Fotos entwickeln. Markus und Marcus besorgen den Wein. Als sie sich in einem Internetcafe nach Rotwein durchfragen, stellt sich raus, dass dessen Betreiber selbst Rotwein herstellt. Wir kaufen eine Pulle Portweinähnliches für 125 SYP. Das war ja mal leicht. Zum Abend sind wir alle mit unseren Aufgaben durch und gehen in ein typisch syrisches Restaurant. Heute lassen wir’s krachen und fahren für umgerechnet 70 Cent mit dem Taxi. Das Abendessen gerät zur Völlerei. Wir bestellen soviel wie möglich, für das bisschen Geld kann’s ja nicht viel sein. Falsch gedacht. Doch die Syrer spielen nicht mit. Sie mästen uns und betäuben uns mit ihren Wasserpfeifen. Berauscht hauen wir uns noch zwei kostenlose Nachtische rein und ziehen beflügelt von dannen. Begleitet werden wir dabei auf unserem Heimweg von den singenden Kellnern.
KM-Leistung am 9.Tag 320 km
11.05.2008 (10. Tag)
Heute ist „der“ Tag der Rallye. Wir müssen kurz über die jordanische Grenze und dann geht’s ab in die Wüste zur Sonderprüfung. Wir sind unter Hochspannung. Wir machen den Sack zu. Das Kamel ist unser. Der Teamchef lotst uns grippe- und fiebergeschwächt schon nach einer Stunde aus Damaskus raus. Reife Leistung. Wir brennen Richtung jordanische Grenze. Der 25er lässt eine Tanke nach der anderen rechts liegen. Es kommt bestimmt noch eine vor der Grenze. Ein fataler Fehler wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Ab jetzt geht es nur noch bergab. Die Ausreise aus Syrien erweist sich als problemlos. Nach 45 Min befinden wir uns im Niemandsland. Das Chaos beginnt. Versprochen wurde uns eine problemlose schnelle Einreise ins Koenigreich. Problemlos bedeutet in Jordanien allerdings 5 Stunden in der Mittagshitze. Wir helfen dem Oberkommando noch freundlich die Reisepässe und Versicherungskarten der anderen Teams zu verteilen und wünschen Gute Fahrt. Wir Idioten. Selber passieren wir die Grenze als drittletztes Team. Reife Leistung. Wir schließen uns dem letzten Konvoi Richtung Wüste an. Da wir zwei Stunden Verspätung haben ballern wir mit Lichtgeschwindigkeit über die Piste. Zum Glück müssen wir noch tanken. Das vorher vom Konvoiführer abgenommene Versprechen an der nächsten Tanke zu halten wird an der zweiten vorbeifliegenden Tankstelle null und nichtig. Da wir nur noch mit Benzindämpfen fahren halten wir notgedrungen zum 3-minuetigen Boxenstop. Der 25er ist als erstes fertig und fliegt dem am Horizont verschwindenden Konvoi hinterher. Die Fahrzeuge an die wir uns wieder heran kämpfen konnten dem mörderischen Tempo des Rudels nicht folgen und mussten abreißen lassen. Geil. Mitten in der Wüste und kein Plan wohin. Karte zeigt nach rechts, Polizeistreife nach links. Wir folgen wie immer schön brav der Polizei und landen letztendlich an der Uni von Amman, dem Ziel der diesjährigen Rallye. Als wir die vom Wüstenstaub eingesauten Fahrzeuge der anderen Teams auf dem Parkplatz sehen wird uns klar, dass wir das große Finale der Rallye verpasst haben. Die Stimmung ist am Boden. Wir sind stinksauer. Keiner vom OK-Team den wir anschreien könnten ist vor Ort. Rings um uns herum ist die Stimmung bestens. Alle berichten vom geilsten Tag der Rallye. Echt toll. Wir freuen uns für die anderen!!! Wir köpfen erst mal unsere letzten Bierreserven. Nach 3 Stunden warten kommt das OK-Team mit dem letzten Konvoi aus der Wüste. Wir knöpfen uns gleich mal den Chef vom OK vor. Wir machen deutlich wie uns zu Mute ist und werden mit einem Nachholtermin für die Wüstenprüfung vertröstet. Richtig Freude kann bei uns aber nicht mehr aufkommen, da die Stimmung schon mehr als gelitten hat. Wir fahren im erneut chaotischen Konvoi ins edelste Hotel der Stadt. Le Royal. Ein Trost ist das allerdings auch nicht. Gute Nacht. Der schwärzeste Tag der Rallye geht mit dem komfortabelsten Bett der Rallye zu Ende.

Warten an der jordanischen (!!!!) Grenze.
KM-Leistung am 10.Tag völlig egal
12.05.2008 (11. Tag)
Endlich mal wieder Schlafen!!! Was für ein Luxus!, Und das im besten Hotel ganz Jordaniens! Für heute stehen die Baumpflanz- Aktion und die Rollstuhlübergabe auf dem Programm. Wie sich durch Mund-Propaganda herumspricht, ist um 10h Treffen in der Hotelobby, zum Konvoi. Angesichts des für heute versprochenen Nachholtermins für die Wüstensonderprüfung, sind wir frohen Mutes. Kiron und Matze quälen sich gesundheitlich angeschlagen aus Ihrem Lazarett- Zimmer. Die Wüste ruft!!
Jedoch nach wenigen Metern, schon im Kreisverkehr vor dem Hotel, reist der Konvoi wieder auseinander. Und das ganze endet im gleichen Spiel wie schon am Vorabend. Über 50 Fahrzeuge in einen Konvoi durch Amman, dass kann einfach nicht funktionieren... Wieder verfliegt die Zeit mit Warten, auf die verloren gegangenen Fahrzeuge. Schnell wird uns klar, dass aus der Wüsten- Sonderprüfung heute wohl auch nichts mehr wird. Da hätten sich Kiron und Matze besser im Hotelzimmer erholt, anstatt in der größten Mittagshitze in den Autos zu warten. Nach 2h sind wir an irgend einem undefinierbaren Platz angekommen, der noch sehr nach Baustelle aussieht. Auf einmal heissts, Bäume pflanzen! Wir verrichten brav unsere "Pflicht". Wie durch ein Wunder hat auch unser Filmteam hergefunden. Für etwas feierliche Stimmung sorgt die königlich jordanische Blaskapelle. Dann geht es schnell weiter zum nächsten Event. Bloss wieder nicht den Konvoi verlieren!!! Nach ein paar Ehrenrunden landen wir auf dem Gelände der Paralympics. Wir laden stolz unseren mit BMW- Zeichen und Deutschlandflagge geschmückten Rollator aus und geben ihn mitsamt den Krücken und Gehstöcken ab. Alles wird in der Spothalle deponiert. Unsere Mühe beim pimpen des Rollators schient hier niemand zu interessieren. Im Gebäude ist wenigstens etwas Kühl, und es gibt eine kleine Erfrischung. Nach 10 Minuten Wartezeit gibts noch eine schlecht verständliche Dankesrede von Wilfried, Kalle, Sakher und dem Chef der Paralympics. Es ist schon halb drei, nun hungrig ziehts alle schnell wieder ins Hotel zurück. Und welch Wunder, nach nur 5minütiger Fahrt sind wir dort!! Für Kiron und Matze heisst gleich wieder ab ins Bett. Um 18h gehts schon weiter mit Siegerehrung. Viel Zeit ist nicht. Von Amman haben wir nicht viel gesehen. Bei der Siegerehrung lassen die Veranstalter sich nicht lumpen! Das Ambiente ist festlich, es gibt leckere Vorspeisen, Fleisch, und Nachtisch. Die Teams werden der Reihenfolge nach auf die Bühne geholt. Jeder Teilnehmer erhält eine Medallie. Mit 50 anderen Teams sind wir respektabler Vierter geworden. Es wurden nur die ersten 3 Plätze gewertet. Unsere Gratulationen gehen an:
Scuderia Silencio, 1. Platz
Stramm, 2. Platz (die Gewinner des Vorjahres)
Die Weltenbummler, 3. Platz
Leider kann die Prinzessin zur Siegererhung nicht anwesend sein, und hat als Stellvertreter ihren Landwirtschaftsminister geschickt. Schade, irgendwie soll es nicht sein. Alles, worauf wir uns gefreut hatten wird nichts: keine Wüstenprüfung, keine Prinzessin, und nicht mal das Kamel der Gewinner bekommen wir zu Gesicht. Es musste aus Tierschutzgründen im Zoo bleiben.
Endlich WÜSTE!
17.05.2008
Die letzten Tage haben wir eine kleine Jordanien- Rundreise gemacht, und uns etwas von den Strapazen der Rallye erholt ( und unsere verpasste Wüsten- Sonderprüfung auf eigene Faust nachgeholt...).

So schön kann Wüste sein...
Wohlbehalten sind wir nun wieder auf deutschem Boden gelandet. In Friedrichshafen wurde unsere Rallye- Sondermaschine gebührend empfangen: Wasserfontänen der Flughafenfeuerwehr, Blassmusik, roter Teppich und Freibier!! Und natürlich ein Haufen Fans!!
Vielen Dank für die zuverlässige Unterstützung von zu Hause!
Nach der Rallye:
Alle Rallye- Fahrzeuge werden dieser Tage auf dem Gelände der WHO gesammelt und anschließend im Paket an den Meistbietenden verkauft. Dieser muss sich (leider!!) verpflichten, die Autos zu zerlegen, aus Zoll-technischen Gründen.
Wenn alles gut läuft, kann mit den Erlösen noch dieses Jahr die Käserei fertiggestellt werden und in Betrieb gehen.
Eventuelle Überschüsse gehen an Kinder- und Jugend- projekte der UN.
Unser Fazit
Alles in Allem bleibt zu sagen, dass dies ein unwiederbringliches Erlebnis war. 5000km Abenteuer, Tausende von Eindrücken, die wir jetzt erst einmal verarbeiten müssen,... von denen wir aber noch lange zehren werden.
Wir hatten nur (!) gute Erlebnisse! Super Menschen! Probleme gibt es keine, und sollte es doch mal welche geben sind sie durch die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Menschen entlang der Strecke in Null-komma-nix gelöst.
Zwar war unsere Stimmung gegen Ende der Rallye durch die verpasste Wüsten- Sonderprüfung und das organisatorische Chaos ab der jordanischen Grenze etwas getrübt,.
Doch trotzdem
RESPEKT
was die Jungs und Mädels vom Organisationskommitee der Rallye Allgäu- Orient da auf die Beine gestellt haben!
So abgedreht wie die Idee der Rallye, so ist auch die Rallye selbst. Gerade das Chaos ist es, von dem die Rallye lebt!
Dies ist war wirklich "eines der letzten automobilen Abenteuer"!
Vielen Dank an alle Unterstützer, Sponsoren, Fans, Roadbook- Leser, ...!!! Ihr habt nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass wir uns diesem Traum erfüllen konnten, und habt uns immer wieder motiviert, in der langen Vorbereitungsphase, sowie während der Rallye.